Rheinische Post, 28 december 2000.
FDP kritisiert:
"Land will Laarbruch gar nicht"
KREIS KLEVE (RP). "Es wird nur gezögert, gezaudert und getrickst. Mich verwundert der Gleichmut von SPD und
CDU, mit dem beide Parteien das große Thema Laarbruch angehen", kritisierte gestern der
FDP-Bundestagsabgeordnete Paul Friedhoff. "Es hat sich eigentlich nichts getan. In der Substanz sind wir seit
sieben Jahren nicht weiter gekommen", ärgerte sich Peter Giltjes, Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion.
Denn noch immer gebe es mit den Niederlanden keinen Staatsvertrag zu den Überflugrechten. Wenn Düsseldorf
wirklich den Flughafen wolle, dann hätte es mit Den Haag schon viel früher ernsthaft verhandeln müssen, so
Friedhoff. Er betonte nochmals, dass nur ein Airport mit Tag- und Nachtbetrieb außerhalb der Ballungszone Chancen habe. Das
wüssten auch SPD und CDU.
Flüge und um die Uhr
"Bei Flügen rund um die Uhr stehen dann die Investoren Schlange", betonte der FDP-Politiker, der nach eigenem
Bekunden bei der nächsten Bundestagswahl 2002 nicht mehr kandidieren wird. "Loses Wortgeklingel" warf Giltjes Roland
Katzy, SPD-Fraktionschef im Kreistag, und SPD-Kreistagsmitglied Albert Holzhauer,
Aufsichts-Vorsitzender der Flughafengesellschaft Niederrhein, vor.
Der Gipfel sei gewesen, als die SPD in der nicht öffentlichen Kreistagssitzung im November (hier beschloss der Kreis den
Kauf des Laarbruch-Geländes vom Bund) gefordert habe, nun sollten keine neuen Investoren mehr gesucht werden. "Das
kann ja wohl nicht wahr sein", regte sich Giltjes über die Genossen auf. Empört zeigte sich auch Friedhoff: Laarbruch
passe dem Land doch gar nicht ins Kalkül.
Sonst hätte es nicht nur einen lapidaren Satz im neuen Luftverkehrskonzept gegeben, sagte der
Bundestagsabgeordnete. "Die tun so in Düsseldorf, als seien die glühende Verfechter von Laarbruch. In Wirklichkeit haben
sie doch den Flughafen längst abgeschrieben." Denn durch die rot-grüne Koalitionsvereinbarung, zwischen 0 und 5 Uhr
Starts und Landungen zu verbieten, habe sich Düsseldorf "völlig blockiert".
Da auch die CDU für ein Flugverbot in der Nacht sei, sollten Christund Sozialdemokraten den Bürgern endlich die
Wahrheit sagen, dass es mit der Jobmaschine nichts geben werde, ärgerte sich Friedhoff über den Populismus der beiden
großen Volksparteien.
(LUDGER DISTELKAMP, Rhein.Post 28-12-2000)