Rheinische Post, 20 november 2001
Dorsch Consult soll ein neues Konzept vorlegen

Bruchlandung auf Laarbruch?

KREIS KLEVE (RP). Hochfliegende Pläne verkündete jüngst der mögliche Laarbruch-Investor Hans van der Lande. So träumte er davon, dass in knapp einem Jahr die Niederrheiner von Laarbruch aus fröhlich zum sonnigen Ballermann nach Mallorca starten. Doch in den irdischen Niederungen des nebelverhangenen Niederrheins scheint der Niederländer derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.

Eine Bruchlandung hat er nach RP-Informationen kürzlich mit seinem Geschäftsplan für den Flughafen-Betrieb erlitten. Vor allem die Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen sollen nur noch die Nase gerümpft haben, als das Konzept vorgelegt wurde. Schlimmer noch: Düsseldorf will kein Geld für die Infrastruktur für den an den Airport angeschlossenen Gewerbepark locker machen, solange kein vernünftiger Entwurf vorliegt.

In der Zwickmühle

Van der Lande sitzt offensichtlich in der Zwickmühle: Ohne überzeugendes Konzept gibt`s keine Staatsknete und ohne Staatsknete wird der Niederländer keinen finanzkräftigen Geldgeber für den Flugplatz finden, ohne den die Investition wohl nicht zu schultern ist. Ganz abgesehen davon, dass die wirtschaftliche Lage nicht gerade Kapitalgeber nach Deutschland lockt.

Im Gespräch als potenter Partner ist immer noch der Hafen Rotterdam, den die RP bereits exklusiv als möglichen Laarbruch-Betreiber genannt hatte. Van der Lande als unumstrittener Schifffahrts-Experte greift nun offensichtlich zum rettenden Strohhalm. Der von ihm eingesetzte Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Niederrhein (FN), Philipp Dieter Stroh, hat diesen Job verloren und steht nach der Abfuhr für den Geschäftsplan durch das Land nicht mehr auf der Kommandobrücke. Hanco Florijn ist für Stroh nun der Macher an Bord.

Damit Laarbruch nicht als Fußnote in die Geschichte des Kreises eingeht, ist der Fachmann Mair von Dorsch Consult eilig wieder ins Cockpit geholt worden. Der Unternehmensberater, der bereits eine Machbarkeitsstudie für den Flugplatz vorgelegt hat, soll kurz vor Jahresende einen schlüssigen Entwurf für Laarbruch präsentieren. Denn nur ein gutes Konzept ist der Schlüssel, um die Türen zu Geldgebern zu öffnen.

Im Kreishaus muss sich nun vor allem Landrat Rudolf Kersting, für den der Airport die Krönung seiner Amtszeit sein sollte, weiterhin in Geduld üben. 2004 darf er aus Altersgründen nicht mehr kandidieren. Ob dann die Düsenjets vom nebelverhangenen Niederrhein zum sonnigen Ballermann abheben? Branchenkenner Willi Verhuven, Chef des Duisburger Reiseveranstalters alltours, meint dagegen: "Laarbruch wird touristisch nie genutzt werden." Es fehle einfach das Ballungszentrum. Wer in Krefeld wohne, wolle doch lieber gleich zum Flughafen Düsseldorf.

Von LUDGER DISTELKAMP


Stichting Platform Vliegveld Laarbruch