Rheinische Post, 19 Oktober 2000.
FN-Geschäftsführer Reinhard Gilleßen zu den drei großen Problemen für Laarbruch:
Sorgen um den Preis nach Wechsel der Verhandlungspartner
LAARBRUCH / KREIS KLEVE (RP). Die "Knackpunkte" sind seit Jahren bekannt. Doch an den eigentlichen Problemfeldern für die fliegerische Nutzung des Flughafens Laarbruch hat sich bis heute fast nichts geändert. Das sind: der Kaufpreis, die niederländischen Überflugrechte sowie die flugrechtliche Genehmigung. Reinhard Gilleßen, Geschäftsführer der Flughafen Niederrhein (FN) GmbH, gab der Rheinischen Post einen aktuellen Sachstandbericht. Vor allem ging er auf Probleme bei den Preisverhandlungen zwischen der Investorengruppe und dem Bund ein.
Ein großes zeitliches Problem sieht der FN-Geschäftsführer im Wechsel eines Verhandlungspartners. So sei von Seiten des Bundes seit wenigen Monaten nicht mehr die Oberfinanzdirektion Köln, sondern die Oberfinanzdirektion Münster zuständig. Dies habe nach Einschätzung von Gilleßen zu Verzögerungen geführt, da sich die Mitarbeiter erst neu einarbeiten mussten.
Preisnachlass?
Auch zu einer öffentlich gehandelten Preisdifferenz von 10 Millionen Mark (FN-Vorstellungen) und 30 Millionen Mark angebliche Forderung des Bundes nahm Gilleßen Stellung. Da die Bundesvermögensverwaltung nun auch für das eigentliche Fluggelände Geld haben wolle, sei der NATO-Reserve-Status nicht mehr notwendig. Allein schon deshalb könne ein Kaufpreis von unter 10 Millionen Mark für das 650 Hektar große Gelände nicht mehr erwartet werden. "Ich rechne jedoch damit, dass die Zahl deutlich unter 30 Millionen Mark liegen wird", so der Klever.
Von der Idee, dass erst der Kreis Kleve das Gelände kaufen soll, um als Kommune vom Bund Preisnachlass zu erhalten und es später dann an die Investorengruppe weiter zu veräußern, hält Gilleßen nichts: "Ich glaube, dass Privatleute in Verhandlungen besser Druck ausüben können, nach dem Motto: Geht mit dem Preis runter oder macht den Kram alleine."
Ein weiteres Problemfeld liegt bei den niederländischen Überflugrechten. Auch hier ist Reinhard Gilleßen zur Zeit optimistisch. Noch in der vergangenen Woche hätte ein Gespräch zwischen NRW-Verkehrsminister Schwanholt und der niederländischen Regierung in Den Haag stattgefunden. Man habe sich erheblich angenähert, meinte der FlughafenFachmann.
Unterschiede
Das dritte Problem liegt zur Zeit noch bei der flugrechtlichen Genehmigung. Bekanntlich liegt ein vorläufiger Entwurf vor, der jedoch nur hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Antrag und bisherige Genehmigung stimmen in einigen Punkten nicht überein. Dabei geht es unter anderem um die erlaubten Flugzeiten am Abend und in der Nacht.
Laut Gilleßen wird bis Mitte November ein weiteres Gutachten erarbeitet. Über die endgültige Genehmigung müsse dann der Regierungspräsident in Düsseldorf entscheiden und nicht mehr der NRW-Verkehrsminister, bei dem bis vor kurzer Zeit die Entscheidungshohheit lag. NRW- und Bundesverkehrsminister seien, so der Geschäftsführer, jedoch so intensiv in das Verfahren eingebunden, dass die Entscheidung schnell fallen könne. Er rechnet mit der endgültigen Genehmigung Ende des Jahres.
Auch Weezes Bürgermeister Johannes Snelting sieht die aktuelle Entwicklung positiv. Er erwartet einem Kaufpreis von 20 bis 30 Millionen Mark. Zum Thema "Zeitverlust" meinte er gestern: "Da liegt eine große Schuld bei der NRW-Umweltministerin Höhn, die eine GEP-Änderung ein halbes Jahr lang verzögert hat."
Von STEFAN KRIEGEL