Rheinische Post, 14 November 1998
Vom Ludger Distelkamp
KREIS KLEVE. Einem Vorstoß der Grünen, daß die Flughafen GmbH
Niederrhein den Antrag auf Nachtflüge in Laarbruch beim
NRW-Wirtschaftsministerium zurückziehen soll, lehnte der
Kreistag mit den Stimmen der CDU und SPD ab. Der
Aufsichtsratvorsitzende der Flughafen GmbH Niederrhein,
Vizelandrat Albert Holzhauer (SPD), machte deutlich, daß es
zunächst einmal um grünes Licht aus Düsseldorf gehe, ob
überhaupt Starts und Landungen erlaubt sind. Erst danach würden
in einer "Betriebsordnung" des Ministeriums die
Flugzeiten festgelegt. Hermann-Josef Brendieck, Fraktionssprecher
der Grünen, meinte allerdings, daß bereits mit dem Antrag für
eine luftrechtliche Genehmigung die Entscheidung über die Flüge
zwischen 22 und 6 Uhr fällt.
Doch der Schuh drückt ganz woanders: Vier bis fünf Millionen Mark pro Jahr kostet laut Holzhauer die Unterhaltung des Laarbruch- geländes, wenn die Briten im November 1999 abziehen. Wer zahlt dann die Millionen Mark - das Bundervermögensamt oder die Flughafen GmbH Niederrhein (FN) als neuer Besitzer? Wenn die FN einsteigt, müßte vor allem der Kreis als Hauptgesellschafter in die Bresche springen und damit letzlich der Steuerzahler.
Aufs Geld zielten auch die Grünen mit ihrer Kritik an möglichen Nachtflügen. "Wenn denn eines Tages 150 Millionen auf Laarbruch investiert sind, und es läuft nicht so, wie der große Investor das gedacht hatte, dann kommt der große Investor und will auch nachts starten", meinte Brendieck. SPD-Fraktionschef Alfred Krüger konterte, daß die Gutachten keinen Bedarf für Flüge zwischen 22 und 6 Uhr sehen. Und Holzhauer führte vor Augen, daß 2000 neue Jobs geschaffen werden müssen, um den wirtschaftlichen Verlust durch den Abzug der Briten auszugleichen.