Kevelaerer Blatt, 30 september 1998
Sensationelle Entwicklung
für Flughafen
Laarbruch
Die Flughafen
Niederrhein GmbH hat einen Gesamt-Investor
KB 30.9.1998 - 19.55 Uhr
Aufsichtsrat und
Gesellschafterversammlung der Flughafen Niederhein GmbH
beschlossen in einer gemeinsamen Sitzung, daß die
niederländische Investorengruppe WT Invest B.V. die Option
bekommt, bevorzugt die fliegerische und nichtfliegerische private
Anschlußnutzung des bisherigen Militärflughafens zu entwickeln,
zu planen und zu realisieren.
Geschäftsführer Reinhard Gilleßen war
verschnupft und hatte Fieber. Trotzdem fühlte er sich wie
Weihnachten, auch wenn er den Anlaß tiefstapelnd vorstellte.
Lange habe er sich darauf konzentriert, Investoren zu
akquirieren: "Wir freuen uns heute, Ihnen von einem ersten
Erfolg zu berichten". Der "Erfolg" heißt WT
Invest B.V. und wurde von zwei niederländischen Unternehmern
eigens zu dem Zweck gegründet, das Konversionsprojekt Laarbruch
in trockene Tücher zu bekommen. Hinter diesem Engagement stecken
Unternehmer, die in den Niederlanden über ihre
Entwicklungsgesellschaft bereits riesige Projekte auf eigenes
Risiko abgeschlossen haben, jährlich 600 neue Wohnungen aus dem
Boden stampfen und zur Zeit 1800 Hektar Entwicklungsfläche zur
Verfügung haben.
Allerdings, bekennt der Jurist Ton Spoor für WT Invest B.V.,
gebe es in Holland nicht mehr viel zu entwickeln,
zusammenhängende Flächen seien kaum noch zu bekommen. Da sei es
von ihrer Heimat in Rijssen im niederländischen Osten nur noch
ein Sprung gewesen: "Wenn Sie dann über die Grenze kommen,
sind Sie schon in Laarbruch", witzelte der Mann, der
offenbar gern Krawatten mit Europamuster trägt. Er machte ohne
Zier deutlich, mit welchen Größenordnungen der Niederrhein es
zu tun bekommt: Die Unternehmer W.H.P. Welles und G. Tijhuis,
beide Gründer des neuen Laarbruchpartners, hätten beste
Beziehungen in den Bereichen Pensionskassen und zu Anlegern. Die
seien für "ein paar Hundert Milliarden Gulden" gut.
Bis zum Jahresende will WT Invest B.V. ein
umfassendes Konzept für die künftige Nutzung vorlegen und dabei
den angedachten Mix von Luftfahrt, Logistik und Gewerbe
beibehalten. Derzeit, sagte Reinhard Gilleßen, "rechnet WT
Invest B.V. mit einem Investitionsvolumen von rund 150 Millionen
Mark". Genaue Berechnungen werde ein Businessplan liefern,
der ebenfalls zum Jahreswechsel vorliegen soll. Mitte März soll
dann endgültig "klar Schiff" sein. Bis dahin hat WT
Invest B.V. als maßgeblicher Generalinvestor Vorrang vor anderen
Interessenten. Allerdings wolle WT Invest B.V. keinesfalls alles
allein machen, erklärte Ton Spoor. Es sei ausdrücklicher
Wunsch, auch mit niederreinischen Investoren zusammenzuarbeiten
(Kontakt: Flughafen Niederrhein GmbH, Reinhard Gilleßen, Tel.
02821/72710).
Der Reiz an der Sache liegt für die Flughafen
Niederrhein GmbH darin, einen Ansprechpartner an der Hand zu
haben, der Investition, Entwicklung, Planung und Realisierung aus
einem Guß bietet. "Jetzt haben wir einen, der möchte alles
machen. Das ist der Weg, den wir uns immer vorgestellt
haben", sagte Gilleßen; der Partner habe überzeugend seine
"planerische Kompetenz und finanzielle
Leistungsfähigkeit" vorgestellt. Das wirtschaftliche
Risiko, machte Ton Spoor deutlich, liege ausschließlich bei den
Niederländern. Und die wollten handeln: "Wir müssen sehr
schnell den Break-even-Punkt erreichen", der Erfolg also den
Einsatz im Zeitablauf überflügele, forderte er:
"Investoren, die 150 Millionen Mark auf den Tisch legen,
warten nicht zehn Jahre, bis sie eine Rendite bekommen". Er
peile drei bis vier Jahre an.
Quasi mit im Gepäck hatten WT Invest B.V. am
Mittwoch abend den als Altdirektor des Niederländischen
Mammutflughafens Schiphol vorgestellten Dr. J.J. van der Zwam,
den sich die Unternehmer als Berater an Land gezogen haben. Er
skizzierte, welche Vorteile Laarbruch für eine fliegerische
Nutzung biete, nannte den nach seiner Ansicht rasant wachsenden
Bedarf an Flughafenkapazität. In Deutschland gebe es derzeit 1,9
Mio. Flugbewegungen pro Jahr, 700.000 weitere Bewegungen seien
gewünscht, und die müßten irgendwo hin. Zugunsten von
Laarbruch spreche der Einzugbereich von 5,2 Millionen Bürgern
für einen Passagierbetrieb mit 2 Millionen Menschen (zu
erreichen innerhalb von sechs Jahren). Mit den Passagiermaschinen
könne Fracht befördert werden. Ein Frachtflughafen allein
"kann nicht entstehen". Er rechne sich nicht. Zunächst
soll es bei 50.000 Flugbewegungen pro Jahr bleiben, überwiegend
bis komplett ohne Nachtflug. Darüber sei er nicht unbedingt
glücklich, bekannte van der Zwam: "Wenn Sie sich
vorstellen, wir bekämen für den Nachtflug eine Genehmigung,
dann kämen wir auf eine Größenordnung von 5000 bis 7000
Arbeitsplätzen".
Weezes Bürgermeisterin Barbara Naus beeilte sich
zu erklären, daß "wir keinen Nachflug bekommen". Dies
sei für die ersten sechs Jahre ausgeschlossen. Zudem dürfe
nicht unter den Tisch fallen, daß gleichermaßen wie Flugverkehr
auch Logistik- und Gewerbebereich mit einem großen
Arbeitsplatzpotential entwickelt würden.
Auf die KB-Frage, wie WT Invest B.V. es mit dem
oft zitierten "breiten Konsens mit der Region" halten
wolle, erklärte Ton Spoor: "Ohne Konsens erreichen Sie
nichts. Ich bin für eine offene Darlegung aller Dinge". Sie
wollten sehr früh möglichst viele Informationen auf den Tisch
legen, um den Bürgern Gelegenheit zu geben, sich selbst ein Bild
von den Planungen zu machen. Thema würden dann auch Fluglärm
und andere Belastungen für die Bevölkerung sein, die so klein
wie möglich gehalten werden müßten, um eine hohe Akzeptanz zu
erreichen.
Vom KB auf die verkehrliche Infrastruktur im
Umfeld von Laarbruch angesprochen, meinte Spoor, er habe gehört,
daß sie für das angedachte Projekt nicht geeignet sei.
Aufsichtsratsvorsitzender Albert Holzhauer sagte, Fragen der
Infrastruktur und der Flugkorridore würden zu einem späteren
Zeitpunkt ausführlich erörtert. Dazu werde es in Bälde den
nächsten Bericht geben. Delia
Evers